Wie Solarien das Melanom-Risiko erhöhen

Ingrid Müller

© Drazen Zigic / istock

Die Nutzung von Solarien verdreifacht das Risiko für schwarzen Hautkrebs nahezu. Die Ursache könnten breite Schäden am Erbgut der Zellen über fast die gesamte Hautfläche sein, wie eine US-Studie vermuten lässt. Betroffen sind auch Hautstellen, an die sonst kaum Sonne kommt.

Wer gerne ins Solarium geht, erhöht sein Risiko für schwarzen Hautkrebs, das maligne Melanom – es verdreifacht sich fast. Unklar waren jedoch bisher die Mechanismen, wie genau die Sonnenbank die Entstehung des Melanoms begünstigt. Eine mögliche Antwort auf diese Frage fand jetzt eine Forschungsgruppe um Prof. Pedram Gerami von der Feinberg School of Medicine der Northwestern University in Chicago.

Die künstliche Sonne im Solarium steigert das Ausmaß der Erbgutveränderungen (Mutationen) in den Zellen, die Mutationslast. Dies begünstigt die Entwicklung von schwarzem Hautkrebs. Außerdem erhöht sich das Melanomrisiko besonders in jenen Hautregionen, die sonst nur wenig natürliches Sonnenlicht abbekommen, zum Beispiel am Gesäß. Auch entwickelten Nutzerinnen und Nutzer von Solarien häufiger mehrere Melanome. Molekulare Effekte scheinen daher eine besondere Rolle zu spielen, schreiben die Forschenden. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten sie im Fachmagazin Science Advances.

Studie kurzgefasst:

  • Analysiert wurden Tausende von Krankenakten, um die Melanomraten von Solarienbesucherinnen und -besuchern mit jenen zu vergleichen, die nicht ins Solarium gingen.
  • Es wurden Gewebeproben von Personen verglichen, die Solarien nutzten und jenen, die noch nie auf einer Sonnenbank waren.
  • Das Melanomrisiko war bei Besucherinnen und Besuchern von Solarien nahezu dreimal so hoch.
  • Wer häufiger ins Solarium ging, entwickelte Melanome auch an Körperstellen, die sonst kaum mit der Sonne in Kontakt kommen

Fast dreifach erhöhtes Melanomrisiko durch Solarien 

An der Studie nahmen knapp 6.000 Personen zwischen 18 und 70 Jahren teil. Ungefähr 3.000 Probandinnen und Probanden hatten in der Vergangenheit Solarien besucht, die andere Hälfte nach eigener Auskunft noch nie. Sie dienten als Kontrollgruppe.

Im Vergleich zu Personen, die noch keine Erfahrung mit Solarien hatten, zeigte sich bei der Anwendung der künstlichen Sonne folgendes Bild:

  • Bei 5,1 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer von Sonnenstudios wurde ein Melanom diagnostiziert. In der Kontrollgruppe waren es nur 2,1 Prozent. Die Analyse nach Alter, Geschlecht, Melanomen in der Familiengeschichte und nach früheren Sonnenbränden ergab, dass die Solariennutzung ein 2,85-fach erhöhtes Risiko für Melanome bedeutete.
  • Überraschend war, dass sich Melanome an Hautbereichen bildeten, die dem natürlichen Sonnenlicht sonst relativ wenig ausgesetzt sind. So fanden sich Melanome zum Beispiel am unteren Rücken oder am Gesäß. Dies lässt vermuten, dass Solarien breitere Erbgutschäden anrichten als das natürliche Sonnenlicht.
  • Auch die Anzahl der Melanome war höher, wenn Personen Solarien besucht hatten.
    Gerami erklärt: „Bei einer Sonnenexposition im Freien bekommen vielleicht 20 Prozent der Haut den meisten Schaden ab. Bei Solariennutzern haben wir die gleichen gefährlichen Mutationen über nahezu die gesamte Hautoberfläche hinweg beobachtet.“

Molekulare Analyse bringt Licht ins Dunkel 

Um die Mechanismen dahinter genauer zu verstehen, entnahmen die Forschenden bei drei Gruppen von Studienteilnehmenden Gewebeproben (Biopsien) an unauffälligen Hautpartien am oberen und unteren Rücken. Elf Personen hatten eine sehr lange Geschichte der Sonnenbanknutzung in ihrer Vergangenheit, neun Personen hatten noch nie ein Solarium besucht und sechs verstorbene Menschen hatten ihren Körper zu Untersuchungszwecken gespendet.

Anschließend wurden die Melanozyten und Hautzellen aus den Gewebeproben per sogenannter Exomsequenzierung analysiert. Dies ist ein molekulargenetisches Verfahren, das alle Baupläne für Proteine des menschlichen Erbguts (DNA), das sogenannte Exom, entschlüsselt. Die Mehrzahl der krankheitsverursachenden Mutationen befindet sich dort.

Die pigmentbildenden Zellen (Melanozyten) der Solarienbesucher und -besucherinnen wiesen eine ungefähr doppelt so hohe Mutationslast auf. Darunter versteht man die Gesamtzahl der erworbenen genetischen Veränderungen (Mutationen) in den Zellen eines Tumors. Auch der Anteil an Zellen mit krankheitsauslösenden Mutationen, die mit dem Melanom in Verbindung stehen, war höher. Und schließlich waren die genetischen Veränderungen in Körperbereichen zu finden, die sonst vor der Sonne weitgehend geschützt sind wie der Po. Dies unterstützt die Annahme, dass Solarien ein breiteres Feld an DNA-Schäden verursachen.

“Sogar an normalen Hautstellen von Solarienbesuchern, an denen sich keine Muttermale oder Pigmentflecken befinden, haben wir Veränderungen im Erbgut gefunden, die Vorläufermutation für ein Melanom sein können“, betont der Hautkrebsspezialist Gerami. “Das wurde noch nie zuvor gezeigt.”

Warnhinweise auf Sonnenbänken gefordert

In Deutschland sind Solarienbesuche für Personen unter 18 Jahren per Gesetz verboten. Die UV-Strahlung aus künstlichen Quellen gilt als ebenso gefährlich wie die natürliche Sonnenstrahlung, was das Hautkrebsrisiko angeht. Das sei auch dank der neuen Studie unwiderruflich widerlegt, so Gerami.  Er fordert zudem Warnhinweise auf den Sonnenbänken, ähnlich wie auf Zigarettenschachteln und anderen Rauchwaren, um die Verbindung zwischen Solarien und dem Hautkrebsrisiko stärker ins Bewusstsein zu rücken.  Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Solarien als krebserregend (Karzinogen der Klasse 1) eingestuft, genauso wie Rauchen oder Asbest.

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