Derma Mia › Schwarzer Hautkrebs › Melanom: Personalisierte mRNA-Krebsimpfung in Sichtweite
Schwarzer Hautkrebs gilt als gefährlich, weil er sich schnell im Körper ausbreiten und Metastasen bilden kann. Jetzt könnte es bald eine neue Krebstherapie gegen das maligne Melanom geben: Eine Krebsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff in Kombination mit einer bereits zugelassenen Immuntherapie. Der Krebsimpfstoff wird individuell für jede Patientin und jeden Patienten auf der Basis der genetischen Informationen aus jedem Tumor im Labor hergestellt. Vielen Menschen sind mRNA-Impfstoffe schon aus der Corona-Pandemie bekannt. Im Gegensatz zu diesen schützen die neuen Krebsimpfstoffe aber nicht vor einer Krebserkrankung, sondern sollen bereits vorhandene Tumore bekämpfen.
In der Studie einer Forschungsgruppe aus Dresden war die Krebsimpfung bei der Behandlung fortgeschrittener Melanome wirksam – und zwar auch langfristig. Sie konnte das Risiko für Rückfälle, Metastasen und Tod deutlich senken. Außerdem war die Krebsimmuntherapie mit dem mRNA-Impfstoff gut verträglich. Die Studienergebnisse der Early Clinical Trial Unit (ECTU) wurden auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) Ende Mai 2026 vorgestellt und gleichzeitig im Fachmagazin Nature Medicine veröffentlicht.
„Es handelt sich definitiv um eine innovative Therapie des malignen Melanoms, die unsere Therapielandschaft bereichert“, erklärt Prof. Claudia Pföhler, Dermatologin und Oberärztin am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS), gegenüber Derma Mia.
mRNA-Impfung plus Immuntherapie – effektive Kombination
Das Forschungsteam vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT/UCC) Dresden am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus (UKD) und der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden (TUD) testete die neue Krebsimmuntherapie mit dem Wirkstoff Intismeran an Personen mit fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs (Stadium III), die sich bereits einer Operation unterzogen hatten.
Insgesamt nahmen 157 Probandinnen und Probanden an dieser Studie (Phase IIb) teil, die 18 Jahre und älter waren. Sie wurden über fünf Jahre beobachtet. Per Zufallsprinzip wurden sie in zwei Gruppen eingeteilt:
- 107 Personen erhielten das neue Medikament Intismeran in Kombination mit dem bereits zugelassenen Immuntherapeutikum Pembrolizumab. Dieser Antikörper zählt zur Gruppe der Immun-Checkpoint-Inhibitoren und wird schon bei mehreren Krebsarten eingesetzt. Im Gegensatz Krebstherapien wie eine Chemotherapie oder Bestrahlung richtet sich ein Immun-Checkpoint-Hemmer nicht gegen die Krebszellen selbst, sondern aktiviert das Immunsystem. Das Medikament löst die „Bremsen“ des Abwehrsystems und regt die T-Zellen (spezielle Immunzellen) dazu an, eventuell noch vorhandene Krebszellen anzugreifen und zu beseitigen.
- 50 Probandinnen und Probanden dienten als Kontrolle und bekamen nur den Wirkstoff Pembrolizumab.
Der mRNA-Impfstoff Intismeran wird für jede Patientin und jeden Patienten individuell anhand einer Tumorprobe hergestellt. Diese mRNA-Moleküle beherbergen die genetische Information für die Herstellung von bis zu 34 Antigenen, die charakteristisch für den jeweiligen Tumor sind – ähnlich einer Visitenkarte. So soll das Immunsystem lernen, die Krebszellen noch besser zu erkennen und zu bekämpfen.
Prof. Selma Ugurel, Chefärztin der Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Standort Rosenhöhe, Klinikum Bielefeld, erklärt gegenüber dem Science Media Center: „Schon in der Studie hat sich gezeigt, dass Patienten es sehr wertschätzen, dass aus ihrem eigenen Tumor eine individualisierte Impfung hergestellt wird, die auf ihre persönliche Krebsart zugeschnitten ist.“ Diese Kombinationstherapie habe einen sehr hohen Stellenwert und aus Sicht der Betroffenen eine stark positiv wahrgenommene Wertigkeit.
Risiko für Rückfälle und Fernmetastasen sinkt deutlich
Die zentralen Ergebnisse der Studie:
- Die mRNA-Krebsimpfung verminderte das Risiko für einen Rückfall oder Tod um 49 Prozent.
- Die Gefahr für das Auftreten von Fernmetastasen oder Tod sank sogar um 59 Prozent.
- Die kombinierte Krebsimmuntherapie sei insgesamt gut verträglich und die Nebenwirkungen gut zu managen, schreibt die Forschungsgruppe. Die immunvermittelten Nebenwirkungen, die von Immun-Checkpoint-Inhibitoren wie Pembrolizumab bekannt sind, potenzierten sich durch Intismeran nicht. Diese Nebenwirkungen sind auf die Aktivierung des Immunsystems zurückführen. Sie können im Prinzip alle Organe des Körpers betreffen, zum Beispiel den Magen-Darm-Trakt, die Haut oder endokrine Organe wie die Schilddrüse.
Schon im Jahr 2023 ist eine neue Studie der Phase III mit rund 1000 Probandinnen und Probanden angelaufen. Eingeschlossen sind hier nicht nur Personen mit einem Melanom im Stadium III, sondern zusätzlich Hochrisikopatienten mit den Melanom-Stadien IIB und IIC ohne Lymphknotenbefall. Dann sind keine Krebszellen in den Lymphknoten nachweisbar. Wenn sich die Ergebnisse bestätigen, könnte die neue Melanom-Behandlung schon bald eine Zulassung erhalten.
„Sollte die Phase-III-Studie die Ergebnisse der Phase-IIb-Studie reproduzieren, wäre das erstmals eine relevante Grundlage für die Zulassung einer individuellen Tumor-Impfung“, betont Prof. Ralf Gutzmer, erster Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie, gegenüber dem Science Media Center. „Dieses hätte nicht nur Relevanz für das Melanom, sondern auch für andere Tumorarten und wäre ein Durchbruch für eine ‚mRNA-Impfung‘ in der Onkologie.“
- American Society of Clinical Oncology (ASCO): https://www.asco.org/abstracts-presentations/259570, https://ascopubs.org/doi/10.1200/OA-25-00008, https://ascopubs.org/doi/10.1200/JCO-26-00835
- Adnan Khattak et al. Intismeran Autogene Plus Pembrolizumab Versus Pembrolizumab Alone in High-Risk Resected Melanoma: 5-Year Update of the Randomized Phase 2b KEYNOTE-942 Study. J Clin Oncol, DOI:10.1200/JCO-26-00835
- NYU Langone Health, https://nyulangone.org/news/cancer-vaccine-sustains-49-percent-melanoma-reduction-after-5-years
- Science Media Center, https://www.sciencemediacenter.de/angebote/mrna-impfung-bei-schwarzem-hautkrebs-langzeitdaten-einer-phase-iib-studie-26123
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