Manche Menschen verbringen durch ihren Beruf viel Zeit im Freien, zum Beispiel Personen aus der Landwirtschaft, Gärtnerei oder dem Bauwesen. Doch wer beruflich viel draußen arbeitet, hat ein deutlich erhöhtes Risiko für schwarzen Hautkrebs – besonders im Gesicht. Zu diesem Schluss kommt die Studie einer Forschungsgruppe um Dr. Susanne Dugas-Breit aus Heidelberg.
Zugleich hätten viele Menschen in Outdoor-Berufen zu wenig Risikobewusstsein, dass zu viel UV-Strahlung der wichtigste Risikofaktor für Hautkrebs sei. Und: Es mangele an systematischem Sonnenschutz, betonen die Forschenden. Die Erkenntnisse der Studie wurden im Fachblatt der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft veröffentlicht.
Studie kurzgefasst:
- Personen mit Berufen im Freien erkranken häufiger an einem Melanom als Menschen, die vor allem in Innenräumen arbeiten.
- Doppelt so oft entwickeln Outdoor-Tätige Melanome im Gesicht.
- Viele haben nur wenig Risikobewusstsein – die meisten wenden Sonnenschutzmaßnahmen kaum oder nie an.
- Bessere Aufklärung und Präventionsmaßnahmen für Menschen, die zum Beispiel draußen in der Landwirtschaft oder im Bauwesen arbeiten, sind nötig.
Outdoor-Berufe: Doppelt so oft Melanome im Gesicht
An der Studie, die zwischen 2019 und 2021 durchgeführt wurde, nahmen insgesamt 406 Erwachsene teil, bei denen schwarzer Hautkrebs (malignes Melanom) diagnostiziert worden war. Im Schnitt waren die Teilnehmenden 57 Jahre alt; 54 Prozent waren Frauen. Die Forschungsgruppe erfasste verschiedene Faktoren wie das Melanomstadium (0 bis IV), den Beruf, die UV-Exposition, Sonnenbrände, das Risikobewusstsein und präventives Verhalten.
59 Teilnehmende (15 Prozent) gaben an, einen Beruf im Freien auszuüben. Sie entwickelten häufiger Melanome an Körperstellen, die der Sonne ausgesetzt sind. Außerdem traten bei einer regelmäßigen Tätigkeit im Freien mehr als doppelt so häufig Melanome im Gesicht auf wie bei Personen, die überwiegend in Innenräumen arbeiten.
Die Forschenden fanden eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung für das Gesichtsmelanom. Das heißt: Je länger Menschen im Laufe ihres Berufslebens der Sonne ausgesetzt waren, desto höher war ihr Risiko für Melanome im Gesicht. Sie hatten im Schnitt doppelt so lange im Freien gearbeitet wie Personen, die schwarzem Hautkrebs an anderen Körperstellen entwickelt hatten.
Keinen deutlichen Einfluss auf das Gesichtsmelanom hatte dagegen die UV-Belastung in der Freizeit. Entscheidend scheine vielmehr die regelmäßige, beruflich bedingte Sonnenexposition zu sein, etwa in Berufsfeldern wie dem Bau, der Landwirtschaft oder dem Gartenbau, schlussfolgert das Forschungsteam.
Schon gewusst?
Weißer Hautkrebs ist für Personen in Freiluft-Arbeit als Berufserkrankung anerkannt – für schwarzen Hautkrebs gilt dies bislang nicht, weil es noch keine ausreichenden Daten für die Zusammenhänge gibt.
Geringes Risikobewusstsein
Als besorgniserregend stufte die Forschungsgruppe das geringe Risikobewusstsein der Teilnehmenden ein, wie diese Zahlen zeigen:
- Mehr als die Hälfte der Befragten (229 Personen, 57 Prozent) wusste vor der Melanom-Diagnose nicht, dass UV-Strahlung schwarzen und weißen Hautkrebs verursachen kann.
- Nur drei (fünf Prozent) der im Freien tätigen Personen gaben an, regelmäßig Sonnenschutz zu verwenden.
- 33 Outdoor-Berufstätige (56 Prozent) verwendeten nur selten oder nie einen UV-Schutz.
„Bei Menschen, die täglich im Freien arbeiten, wird die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Maximaldosis an UV-Strahlung regelmäßig um das Fünffache überschritten, erklärt Susanne Dugas-Breit von der Klinik für Medizinische Onkologie des Universitätsklinikums Heidelberg, die Erstautorin der Studie. „So deutlich werden die Grenzwerte für keinen anderen krebserregenden Einfluss bei beruflicher Tätigkeit verletzt. Umso wichtiger ist es, das Bewusstsein für die Risiken zu stärken und einfache Schutzmaßnahmen konsequent umzusetzen.“
Mehr Aufklärung, bessere Prävention
In Deutschland arbeiten der Forschungsgruppe zufolge ungefähr zwölf Prozent der Beschäftigten überwiegend im Freien – das entspricht 5,5 Millionen Menschen. Ihre jährliche UV-Exposition kann deutlich höher sein als die von Beschäftigten in Innenräumen. Fachleute sehen daher dringenden Handlungsbedarf: Präventionsangebote und Aufklärungskampagnen müssten gezielt auf das Risiko dieser Berufsgruppen zugeschnitten werden.
Konkrete UV-Schutz-Maßnahmen seien beispielsweise das Beschatten des Arbeitsplatzes mit Sonnensegeln, textiler Schutz wie das Tragen von Kopfbedeckungen mit breiter Krempe und langärmeliger Kleidung sowie die Anwendung von Sonnenschutzpräparaten mit hohem Lichtschutzfaktor. Ziel ist es, Hautkrebs effektiv vorzubeugen und so die Zahl der Erkrankungen langfristig zu senken.
- Susanne Dugas-Breit, Jessica C. Hassel, Martin Dugas, Hans-Joachim Schulze: Outdoor work as risk factor for facial melanoma: UV exposure, risk awareness, and occupational relevance; Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. 2026;1–8. DOI: 10.1111/ddg.15995
- NCT Heidelberg, Pressemitteilung Mai 2026, https://www.nct-heidelberg.de/das-nct/newsroom/pressemitteilungen/details/empfehlung-fuer-besseren-schutz-outdoor-berufe-laut-studie-besonders-von-schwarzem-hautkrebs-betroffen.html (Abruf: 23.8.2026)
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