Tan Lines oder Tanning Lines sind zurück und entfachen einen erneuten Hype auf Social Media-Plattformen wie TikTok und Instagram. Unter dem Hashtag #tanlines zeigen Sonnenanbeterinnen und Sonnenanbeter ihre individuellen Tan Lines in den sozialen Netzwerken – und gleich Tipps dazu, wie man die Bräunungsstreifen als helle Abdrücke auf der Haut am besten erzeugt. Tan Lines entstehen zum Beispiel, wenn die Träger vom Bikini oder Badeanzug diese Bereiche vor der Sonne schützen, aber der Rest der Haut viel UV-Strahlung oder sogar einen Sonnenbrand abbekommt.
„Tanning Lines gelten als chic, und es wird auf Social Media erklärt, wie man sie bekommt“, warnt Prof. Carola Berking, Direktorin der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen, auf einer Pressekonferenz der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO). Sie fand im Rahmen des 36. Hautkrebskongresses in Leipzig statt. „Influencer erklären dort, dass ein UV-Index 9 super ist und spezielle Tanning-Gele die Bräunung fördern. Diese Gerüchte sehe ich mit Schrecken“, warnt Berking. „Viele nehmen einen Sonnenbrand in Kauf“, so die Hautexpertin weiter.
Auch wenn die Mehrheit der Influencerinnen und Influencer über die Risiken und Gefahren aufkläre – provokative Aussagen erhielten deutlich mehr Likes. Dem müssten Hautärztinnen und Hautärzte etwas entgegensetzen und die Mythen entzaubern. „Wir müssen digitale Antworten geben mit kurzen Videos, die zeigen: So geht’s richtig!“, sagt Berking.
Sonnenbrand-Tattoos: Botschaften auf der Haut
Nicht nur Tan Lines erleben in den sozialen Netzwerken einen Hype, sondern auch Sonnenbrand-Tattoos. Dafür werden Schablonen auf die Haut gelegt oder geklebt – und dann heißt es: Ab in die pralle Sonne, oft ohne ausreichenden Sonnenschutz wie eine Sonnencreme. Nach dem Sonnenbad zeigt sich das entsprechende Motiv in Form eines Sonnenbrand-Tattoos auf der Haut, beispielsweise als Schriftzug oder Logo. Auch hier riskieren vielen einen Sonnenbrand, der langfristig nicht nur die Haut altern lässt, sondern auch das Hautkrebsrisiko erhöht.
Nicht minder gefährlich für die Haut sind Trends wie Sweet Sunburn, Tanmaxxing oder Sunburn-Make-up, bei dem sich vor allem junge Leute gezielt ohne Sonnenschutz der UV-Strahlung aussetzen. Wer sich stärker verbrennt, bekommt mehr Likes.
Gebräunte Haut gilt als attraktiv
Früher wurden die weißen Abdrücke nach einem Sonnenbad eher kaschiert oder verborgen, weil die Haut nicht nahtlos gebräunt war. Heute gelten Tan Lines oder Sonnenbrand-Tattoos, die einen scharfen Kontrast zwischen blasser und gebräunter Haut bilden, eher als modische Accessoires oder Lifestyle-und Statussymbole.
Sie sollen anderen signalisieren, dass man seine Zeit nicht in dunklen Räumen am Bildschirm verbracht hat, sondern viel im Freien, in der Sonne oder im Urlaub war und sich erholt hat. Nach wie vor gilt gebräunte Haut als Schönheitsideal und Zeichen von Attraktivität, obwohl ein Zuviel an Sonne und häufige Sonnenbrände später nachweislich das Risiko für Hautkrebs steigen lassen. Das gilt sowohl für weißen Hautkrebs (Baselzell– und Plattenepithelkarzinom) als auch für schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom).
„Gesunde“ Bräune ist ein Mythos
Anders als viele glauben, gibt es keine „gesunde“ Bräune. Denn: Die Bräunung ist ein Schutzmechanismus der Haut und eine Reaktion auf die schädliche UV-Strahlung aus der Sonne oder dem Solarium. Die pigmentbildenden Zellen der Haut – die Melanozyten – bilden vermehrt das Pigment Melanin. Es nimmt die UV-Strahlung auf und sorgt so dafür, dass weniger schädliche UV-Strahlung in tiefere Hautschichten gelangen kann. Die Haut versucht sich also, selbst zu schützen.
Dermatologinnen und Dermatologen warnen vor langen, intensiven Sonnenbädern ohne ausreichenden Sonnenschutz. Dazu gehört aber nicht nur ein Sonnenschutzmittel mit ausreichendem Lichtschutzfaktor (LSF), sondern wichtig sind auch schützende Kleidung, eine Kopfbedeckung und eine Sonnenbrille. Außerdem ist der Aufenthalt im Schatten empfohlen, besonders in der Mittagszeit, wenn die UV-Strahlung sehr intensiv ist.
Eine mögliche Alternative zu den in die Haut „eingebrannten“ Tan Lines: Wer Linien und Abdrücke auf der Haut im Gesicht oder am Körper schön findet, kann versuchen, sie mit Pinsel und Selbstbräuner nachzuahmen. Vorsicht geboten ist aber bei Hauterkrankungen wie einer Neurodermitis oder Psoriasis, weil chemische Substanzen aus dem Selbstbräuner die Haut reizen können.
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- Pressekonferenz der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO), 36. Hautkrebskongress, Leipzig (11. September 2026)
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